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 Betreff des Beitrags: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:14 
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Also, dann wage ich es mal, mich euch zu stellen.
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Klappentext:
In der Kleinstadt Silence scheint nach außen hin, alles wie in jeder anderen Stadt North Carolinas. Aber der Schein trügt. Die Erwachsenen verbergen etwas vor ihren Kindern. Das wird Lisa klar, als immer mehr Mitschüler auf ein Internat geschickt werden, von dem niemand mehr zurückkehrt. Lisa weiß nur, das hat etwas mit ihrer neuen Gabe zu tun. Die Uhr tickt, denn etwas Fremdes erwacht im Körper der High-Schoolschülerin und schon bald soll auch sie auf diese Schule geschickt werden. Einzig die beiden Neuen in der Stadt scheinen bereit, Lisa zu helfen. Kann Lisa Giovanni und Ermano vertrauen?

315 Seiten
Preis: 9,95 €
AAVAA Verlag
ISBN: 978-3862541850


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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:18 
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Habe ja schon angekündigt, dass ich mir dein Buch auf jeden Fall kaufen will.
Frage:
Wollte es ursprünglich über Amazon bestellen, aber...
Kann ich es auch über dich bestellen, so dass ich es von dir zuvor signiert bekomme?

LG
Steffi

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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:24 
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Wollte die Leseprobe lesen, doch da ist mein Browser abgestürzt, werde es aber nochmal versuchen. Was hast du eher für einen Stil? Poetischen oder eher verständlich udn simpel?


mfg


Cajux

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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:30 
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Ich bevorzuge verständlich und simpel. Aber ich schreibe auch recht humorvoll. Zumindest meine Romane sind so. Kurzgeschichten dürfen auch mal etwas ernster sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:33 
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EverMorgan, haste meinen Beitrag bei hier übersehen?

Warte schon ungeduldig auf eine Antwort.

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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 20:37 
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Leseprobe:

1. Kapitel


»Du kannst Gedanken lesen, Lisa. Das ist eine Gabe, kein Fluch«, raunzte mich Kate an.
Meine schlimmsten Sommerferien waren vorbei. Wir trödelten dem ersten Schultag entgegen. Für Kate ein erfreuliches Ereignis, weil Schule für sie hieß, dem langweiligen Kleinstadtleben zu entfliehen und sich wieder auf das Cheerleadern konzentrieren zu können.
Für mich ein Albtraum, weil meine Mitschüler mich mieden, wie die Pest. Ich hatte es im letzten Schuljahr an nur einem Tag von der Schulqueen zur Ausgestoßenen geschafft. Was, wenn es nicht so traurig wäre, eine erstaunliche Leistung war. Gestern hieß es noch; Lisa, Kapitän der Cheerleader. Heute; Lisa, die Todesfee, was nur eine etwas nettere Bezeichnung für Mörderin war.
Begonnen hatte mein rapider Abstieg mit der Diagnose Lungenkrebs. Nicht für mich. Für Marianna, unsere Haushälterin und die einzige Person, die wirklich wie eine Mutter für mich war. Meine eigentliche Mutter, eine Karrierefrau, wie sie im Buche steht, war für jeden in Silence da, außer für mich. Denn Familie steht nun mal nicht an erster Stelle auf der To-Do-Liste, wenn man die Frau des Bürgermeisters ist und das auch bleiben will.
Kate – meine beste Freundin – war überzeugt davon, dass ich meine neue Gabe mehr würdigen sollte. Das Einzige, was ich zu würdigen wusste, war Kates neue Garderobe, die sie sich in den Ferien zugelegt hatte. Passend zum Herbst, der langsam Einzug in Silence hielt, trug sie einen langen mokkabraunen Wollrock, der sich eng an ihre schlanke Figur schmiegte und einen Poncho in ähnlichem Farbton.
»Glaub mir, wenn dein Kopf unfreiwillig zugestopft wäre mit all dem Zeug, das anderen so durch den Schädel geistert, dann würdest du anders denken. Ich werde schon kaum mit meinen Problemen fertig, da brauche ich nicht noch die pubertären Sorgen aller Teens aus Silence.«
Kates Versuche mich aufzubauen, scheiterten an den Nebenwirkungen meiner neuen Gabe – Migräne. Was ich aber eigentlich fürchtete, waren nicht die Sorgen der Teenager, sondern das, was sie über mich denken könnten.
Die Monate nach meinem Zusammenbruch hatte ich in einer psychiatrischen Klinik verbracht. Eine Maßnahme, für die ich meiner Mutter ausnahmsweise einmal dankbar war, bewahrte sie mich doch davor, den Menschen in die Augen blicken zu müssen, die früher einmal meine Freunde waren. Nicht, dass ich es ihnen verübeln konnte, dass sie sich von mir abgewandt hatten. Nein, ich verstand sie sogar sehr gut.
Kates dunkelgrüne, dick mit Kajal umrahmte Augen funkelten mich an. »Du hättest eben auf mich hören sollen. Wenn du öfters mal unter Menschen gegangen wärst, müsstest du es jetzt nicht mit dem Vorschlaghammer lernen. Wahrscheinlich könntest du diese Fähigkeit jetzt schon kontrollieren.«
Kate zupfte ihre Kleidung zurecht und kämmte ihre dunkelbraune Victoria-Beckham-Frisur mit den Fingern durch, bevor sie das Klassenzimmer betrat. »Bereit?«
Den Kommentar auf meiner Zunge schluckte ich hinunter und zog stattdessen eine Grimasse hinter Kates Rücken. Sie hatte recht, das wusste ich. Statt zu versuchen mit dieser neuen Fähigkeit irgendwie umzugehen, hatte ich es vorgezogen, mich in meinem Zimmer zu verbarrikadieren. Nicht zuletzt, um den Kopfschmerzen zu entgehen, die dieser Fluch mit sich brachte. Aber zu allererst, weil ich nicht hören wollte, was die Einwohner von Silence über mich dachten.
Die ersten Stimmen hatte ich auf Mariannas Beerdigung gehört. Anfangs war es nur ein leises Flüstern, fast als Summe etwas in mir. Ich hatte versucht dieses Geräusch zu ignorieren. Doch dann wurden die Stimmen deutlicher und das, was sie sagten, verständlicher. Ich konnte hören, wie die Verkäuferin überlegte, was sie am Abend mit ihrem Freund unternehmen könnte, während sie Kate eine Hose heraussuchte. Die Stimmen flüsterten mir zu, was Kate durch den Kopf ging, wenn sie darüber nachsann, wie sie Matt auf sich aufmerksam machen könnte. Oder wenn ich eine neue Jeans anprobierte und sie bemerkte, dass ich etwas dicker geworden war, es aber nicht aussprach.
Erst wagte ich nicht, es ihr zu sagen, weil es einfach zu verrückt war. Ich konnte es selber kaum fassen und war eher bereit zu glauben, dass ich den Verstand verlor – was, wenn man bedenkt, was ich in dem letzten Jahr alles durchmachen musste, nicht so verwunderlich gewesen wäre. Doch dann, als es immer deutlicher wurde, dass ich wusste, was sie sagen würde, bevor sie es aussprach, da musste ich es ihr einfach gestehen. Auch auf die Gefahr hin, dass einer der wenigen Menschen in Silence, der überhaupt noch mit mir sprach, sich dann auch von mir lossagen würde.
Erstaunlicherweise nahm Kate mein Geständnis locker auf. Ich hatte damit gerechnet, sie würde mich für verrückt erklären, schließlich hatte ich vor nicht allzu langer Zeit einige Monate in einer psychiatrischen Klinik in Brevard verbracht. Aber Kate zuckte mit den Schultern und dachte: Das erspart uns die Zettelschreiberei im Unterricht und das Nachsitzen, wenn wir erwischt werden.
»Was habe ich gerade gedacht?«, fragte sie dann und war hocherfreut, als ich ihre Gedanken Wort für Wort wiedergab.
Kate war die Einzige, der ich mein Geheimnis anvertraute. Natürlich hätte ich auch Larissa einweihen können – meine andere Freundin -, aber nachdem ich zum Teil mit Schuld daran war, dass auch sie in Brevard gelandet war, beschlossen Kate und ich, dass es besser wäre, Larissa nicht einzuweihen. Larissa war seit einiger Zeit psychisch sehr labil und das Risiko, dass ein solches Geständnis ihr schaden könnte, war einfach zu hoch.
Schon kurz darauf bemerkte ich trotzdem, dass Kate kontrollieren konnte, was ich hören durfte und was nicht. Aber ich sprach sie nicht darauf an, wie sie das machte. Mir war es sogar recht so. Schon die Vorstellung, dass jemand anderer jederzeit in mir lesen konnte, wie in einem Buch war mir unangenehm. Also verstand ich nur zu gut, dass Kate versuchte wenigstens ein paar Geheimnisse für sich zu behalten.
Ich straffte die Schultern, holte tief Atem und betrat hinter Kate den Klassenraum.
Die meisten Tische hatten schon ihre neuen Besitzer gefunden. Für Kate und mich blieb nur noch ein Platz in zweiter Reihe Mittelgang oder erster Reihe selber Gang. Ich brauchte Kates Gedanken nicht zu lesen, um zu wissen, dass sie die hintere Sitzbank vorzog. Der beste Platz war immer dort, wo man nicht direkt vor der Nase von Mrs. Walsh saß.
»Schon was Interessantes aufgefangen?«, wollte Kate wissen nachdem sie ihre Hefte und Bücher fein säuberlich auf dem Tisch platziert hatte. Kates Sinn für Ordnung grenzte an Wahnsinn. In ihrem Zimmer besaß jeder Gegenstand einen festen Platz. Larissa und ich hatten uns gerne einen Spaß daraus gemacht, etwas wegzunehmen und es woanders wieder hinzustellen, wenn Kate mal kurz aus dem Zimmer gegangen war. Dann hatten wir gewettet, wie lange es dauern würde, bis es ihr auffiel. Es dauerte selten länger als fünf Atemzüge.
»Warte.« Ich machte eine künstliche Pause und tat, als würde ich den Gedanken unserer Mitschüler lauschen. »Nein«, zischte ich.
Kate ignorierte meine schlechte Laune und musterte die Klasse. Ihr Blick blieb auf Michelle hängen, die einen Platz in der Fensterreihe ergattert hatte. Michelle war meine ewige Konkurrentin und jetzt die neue Queen auf der Silence High. Sie war schon immer scharf auf diesen Job gewesen. Mit der Sache auf ihrer letzten Party, hatte ich sie selbst auf den Thron gehoben. Zum Dank achtete sie jetzt darauf, dass ich blieb, wo ich mich derzeit befand.
»Michelle hat vor, dich und Larissa zu ihrer Party einzuladen. Oh, und mich möchte sie gerne persönlich ausladen, um mir ein paar beleidigende Dinge an den Kopf zu werfen«, flüsterte ich Kate zu.
Kate kicherte. Sie warf Matt einen kurzen Blick zu, der am Tisch vor Michelle saß und munter mit ihr plauderte. In seinen Gedanken konnte ich lesen, dass er glaubte, er wäre Michelle in den Sommerferien näher gekommen. Ich erzählte es Kate.
Diese kniff die Lippen zusammen und runzelte die Stirn. »Also hat sie noch immer vor uns zu entzweien?«, fragte sie mit leicht zittriger Stimme.
Matt so hinter Michelle hinterher winselnd zu sehen, machte meiner Freundin mehr zu schaffen, als mir lieb war. Ich hatte wirklich gehofft, dass sie diese Verliebtheit in den Ferien etwas abgelegt hatte. Schon im letzten Schuljahr litt sie sehr darunter, dass der Junge ihres Herzens sie kaum beachtete. Noch mehr litt sie, als Matt sich ohne zu zögern auf Michelles Seite stellte, nach dem ich den netten Beinamen Todesfee bekommen hatte.
Ich zuckte zur Antwort mit den Schultern und stellte meine Schultasche neben dem Tisch ab. Als ich mich wieder aufrichtete, wäre ich fast mit Kirsty kollidiert.
Ihre rotgeränderten Augen bohrten sich in meine. Sie sah müde aus – und schlampig. Aber irgendwie sah sie immer so aus. Kirsty machte sich wenig aus der Meinung anderer. Sie räusperte sich, weil ich noch immer mit meinem Oberkörper im Gang zwischen den Tischreihen ragte und ihr den Weg zum Lehrerpult versperrte. Ich richtete mich auf und starrte auf die grüne Tafel.
Insgeheim zählte ich die Sekunden bis zum Unterrichtsbeginn, denn dann würden zumindest ein paar Stimmen verstummen. Die, die über meine Ohren in meinen Kopf drangen. Das Durcheinander an gesprochenen und gedachten Worten ließ meinen Kopf hämmern und ich rieb mir verzweifelt die Schläfen. Nach einem verstohlenen Blick in Kates Richtung fischte ich eine Packung Tabletten aus der Tasche meiner Jacke, nahm gleich zwei und spülte sie mit einem Schluck aus meiner Wasserflasche hinunter.
Es wunderte mich, dass Michelles Eltern es erlaubten, dass wieder eine Party in ihrem Haus gegeben wurde, nachdem, was ich auf der Letzten verschuldet hatte. Vielleicht hatten sie beschlossen, dass nur Normalität, die seelischen Wunden zu heilen vermochte. Vielleicht lagen sie sogar richtig mit dieser Vermutung, nur nicht, was mich betraf. Nicht, weil mich dort sowieso niemand haben wollte, sondern, weil ich nicht zulassen würde, dass meine seelischen Wunden heilen würden. Die Schuld, die ich auf mich geladen hatte, war zu schwer, als dass ich irgendwann zulassen konnte, dass ich mir vergab. Selbst, wenn meine Mitschüler jemals bereit sein würden zu vergessen, ich würde es nie sein.
Das Thema der ersten Stunde war die Frührenaissance. Für eine amerikanische High-School legte man auf der Silence High sehr viel Wert auf das Erlernen der europäischen Vergangenheit, da die Geschichte von Silence eng verbunden war mit der Europas. So sagte man zumindest. Aber welche amerikanische Stadt konnte das nicht auch von sich behaupten? Schließlich stammte ein Großteil der amerikanischen Einwanderer aus Europa.
Ich kämpfte mit den verschiedenen Gedankenstimmen, um etwas von dem zu verstehen, was Mrs. Walsh erklärte, gab es aber nach nur wenigen Versuchen auf. Dafür konnte ich feststellen, dass ich nicht mehr Hauptthema meiner Mitschüler war. Hatte das Vergessen so schnell eingesetzt, oder war mein Vergehen nur zu einer Art Hintergrundrauschen verklungen, dass im passenden Moment wieder lauter ertönte und die Vergangenheit aufleben ließ?
Vielleicht hätte ich erleichtert sein sollen, wenn es wirklich so etwas wie Heilung gab, aber ich wollte nicht, dass sie vergaßen. Denn wenn sie wirklich vergaßen, hieße das, dass sie mir vergeben konnten. Aber ich wollte keine Vergebung. Ich wollte weiter Buße tun.
Die meisten sprachen noch immer nicht mit mir, aber sie dachten auch nicht mehr an die Ereignisse, die dazu geführt hatten, dass sie nicht mehr mit mir sprachen.
Neues Lieblingsthema in den Köpfen der Mädchen waren zwei überaus gut aussehende neue Schüler.
Neues Lieblingsthema in den Köpfen der Jungen war, herausfinden, welchen Stylingberater die Neuen engagiert hatten.
Selbst hatte ich noch nicht das Vergnügen die beiden zu sehen, aber, wenn ich mich auf das verlassen konnte, was ich in den Köpfen derer lesen konnte, die sie schon getroffen hatten, waren sie es wohl wert, von ihnen zu träumen, statt dem Unterricht zu folgen.
Mrs. Walsh, eine hochgewachsene kräftige Frau – von den Schülern wurde sie aufgrund des weißen Kittels, den sie immer trug, nur der weiße Riese genannt – ließ einige Fotos durch die Klasse gehen mit Bauwerken der Renaissance; der Dom von Florenz, mit der ersten freihängenden Kuppel, der Petersdom in Rom und der Dom von Pisa.
Ich nahm die Bilder von Kate entgegen und reichte sie in die Nachbarreihe weiter, ohne einen Blick darauf zu werfen. Wer in Silence lebt, der braucht nur aus dem Fenster zu sehen, um Gebäude sämtlicher europäischer Zeitepochen zu sehen. Dieses ganze Theater, was hier um Europa veranstaltet wurde, war mir ziemlich egal. Ich lebte in North Carolina, was bekanntlich in den USA liegt. Was interessierte mich schon, was in Übersee los war? Auch Amerika hatte eine nicht zu verachtende Geschichte, die es wert wäre, erforscht zu werden.
»Florenz ist …« Mrs. Walsh wurde durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Die Stirn gerunzelt wegen der dreisten Störung öffnete sie die Zimmertür. »Oh, Direktor Snyder. Die zwei neuen Schüler. Hätte ich fast vergessen«, stammelte sie. Verlegen strich sie sich durch das wellige rötlich blonde Haar.
Zwei Jungen mit dunkelbraunen Lederjacken betraten hinter Direktor Snyder das Klassenzimmer. Ich musste meinen Mitschülern zustimmen; die beiden sahen nicht nur unfassbar gut aus, sie hatten eine Ausstrahlung, die jeden im Raum gefangen nahm. Gespräche, die gerade noch geführt wurden, verstummten genauso, wie alle anderen Hintergrundgeräusche.
»Das sind Ermano und Giovanni Visconti. Sie gehen seit heute auf diese Schule«, stellte Mr. Snyder die Neuankömmlinge vor.
Er reichte Mrs. Walsh ein paar Unterlagen und watschelte schwerfällig aus dem Raum. Mr. Snyder ließ in mir immer das Bild eines zu dicken Pinguins aufflackern. Er war klein und hatte die körperlichen Attribute eines Hühnereis mit Armen und Beinen.
»Vielleicht mögt ihr kurz etwas über euch erzählen«, forderte Mrs. Walsh die Jungen auf und musterte die Neuen mit der gleichen Neugier, wie jeder andere Anwesende im Raum. Sie machte es sich auf dem Rand ihres Schreibtisches bequem und wartete mit schief gelegtem Kopf.
»Ich bin Giovanni«, sagte der etwas Größere von beiden.
Sein glattes, glänzend schwarzes Haar war etwa kinnlang und verdeckte einen Teil seines Gesichtes, was ich wirklich traurig fand, denn soweit ich das sehen konnte, hatte er die dunkelsten Augen, die ich bis dahin zu Gesicht bekommen hatte.
»Das ist mein Bruder Ermano. Wir sind zweieiige Zwillinge.«
Ermano, der mit dem lockigen Haar nickte nur. Er machte ein verbissen ernstes Gesicht und schien gar nicht erfreut zu sein. Ganz anders Giovanni, der glücklich strahlend vor der Klasse stand. Im Vergleich zu seinem Bruder machte Ermano einen schüchternen Eindruck. Er war der Typ Junge, den man auf Anhieb als sympathisch und nett einstufen würde.
Giovanni wiederum gehörte zu der Sorte Jungen, die mit einem bloßen Zwinkern, einem Mädchen den Kopf verdrehen konnten, ihren Eltern aber wahre Albträume bescherten. Wie ein Rockstar stand er vor dem Lehrerpult, grinste selbstsicher in die Klasse und wirkte dabei noch ziemlich heiß. Beide waren sich wirklich ähnlich, aber für Zwillinge hätte ich sie nicht gehalten. Aber zweieiige Zwillinge mussten sich ja nicht wirklich gleichen.
»Geboren wurden wir in Venedig, leben aber schon unsere ganze Kindheit in den USA. Mal hier, mal da«, führte Giovanni fort und schmunzelte mich an, dass mir ein leichtes Flattern durch den Bauch huschte.
»Danke Giovanni. Ihr könnt euch hier vorn hinsetzen.« Mrs. Walsh wies den Zwillingen den Tisch vor Kate und mir.
Die Brüder folgten der Aufforderung. Und während sie sich setzten, wichen Giovannis Augen keine Sekunde von meinem Gesicht. Kurz blieb er vor mir stehen, strich seine Haare hinter die Ohren und gab wunderschöne hohe Wangenknochen und Grübchen frei.
Kate stupste mir in den Oberarm und hüstelte. Dein Mund steht offen, dachte sie.



@Steffi, entschuldige, habs wirklich übersehen. Ja, kannst du auch bei mir bestellen, aber ich hab grad keine Bücher mehr da. Sind alle schon wieder weg. Muss erst wieder welche beim Verlag anfordern. Aber, du kannst es auch so machen, dass du eins bei Amazon kaufst, es gleich an mich schicken lässt und ich schick es dann zu dir.
Wird wahrscheinlich schneller gehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 21:11 
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Hi EverMorgan,
hab deine Leseprobe gelesen. Und werde jetzt einen Kommentar verfassen. Eine fundierte und ehrliche Meinung. Ich werde das ein wenig verallgemeinern, denn korrigiert werden kann es ja nicht mehr.

Ich habe begonnen zu lesen. Der Anfang war eine Art Rückblende, die interessant war, aber nicht der entscheidene Aspekt war, der mich gefesselt hat. Es wirkte manchmal leicht, aber nicht übertrieben in die Länge gezogen. Es ist halt eine Rückblende. Aber dein schöner Schreibstill machte das wieder wett. Denn du hast einen präzisen und gut verständlichen Schreibstil. Er lässt sich wundervoll lesen und du scheint die wichtigen Punkte zu beachten, was einen professionellen Eindruck macht. Das Expose habe ich gelesen, gab mir eine Vorstellung. Ich fang es nicht ganz so ansprechend, aber die Leseprobe verbesserte meinen Eindruck enorm. Der mittlere und der letzte Teil der Leseprobe wecketen Spannung und Interesse. Ein flüssiger Schreibstil, tolles Cover, professionell. Was will man mehr?

Obwohl ich ein großer Freund von Thrillern bin, mit detailierter Gewalt und geballten Emotionen bin, wie die Thriler-Reihe von Cody McFadyen, überzeugte die Geschichte.

Fazit:
Professionell, flüßig und ansprechend. Ein sehr schönes Cover. Expose fandt ich nicht gaaaanz so ansprechend.

Bewertung ( In Smilies )

Stil: :) :) :) :)
Spannung und Interesse: :) :) :) :) :)
Cover: :) :) :) :) :)
Expose: :) :) :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 21:30 
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Wow, vielen Dank. Hätte ich nicht mit gerechnet. Ist zwar jetzt schon mein zweites Buch, aber ich bin immer noch überrascht, wenn ich so positive Reaktionen bekomme. Weil man selbst, ist ja nie wirklich zufrieden mit sich. :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 21:53 
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Selbstkritischsein ist ein wichtiger Faktor zur veroeffentlichung eines neuen Buches...Lass dich aber, wenn du meine Geschichte liest davon nicht blenden, also von dem guten Kommentar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Silence - Das Lied der Wölfe
BeitragVerfasst: 17. Nov 2010, 22:09 
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Schau mal nach, ich hab sie schon gelesen. :D


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