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 Betreff des Beitrags: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 13:01 
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"Geld fliesst immer vom Verlag zum Autor, nie umgekehrt."

Immer wieder kann man diesen Satz lesen, in jedem Schreibforum taucht er irgendwann mal auf. Meist erscheinen dann BoD-Autoren, Selbstverleger und Druckkostenzuschuss-Bezahler auf der Forenbühne und machen auf die Chancen aufmerksam.
Und mit der gleichen Regelmäßigkeit erscheinen dann andere Autoren, die oftmals bereits Erfahrungen mit solchen Verlagen oder Druckereien sammeln "durften" und warnen.
Meist eskalieren diese Diskussionen dann in Flame Wars, Beleidigungen und gegenseitigen Anschuldigungen. Manch Schreibforum mutiert darunter zum echten Horror-Forum, es fehlen nur noch die Kettensäge, die Kneifzange und der Vorschlaghammer.

Aber was ist nun wirklich dran an dem Satz?

Betrachten wir es zunächst logisch:
Stell dir vor, du willst einen Job als KassiererIn im Supermarkt. Du stellt dich dort vor und der Filialleiter ist mit dir zufrieden, lobt deine Qualifikation in höchsten Tönen und würde dich am liebsten noch am gleichen Tag einstellen. Nur ...
Leider ist ihn gerade das Geld für die Lohnzahlungen knapp geworden, deswegen mußt du ein bisschen von dem Risiko, welches deine Einstellung mit sich bringt, auf dich nehmen. Beispielsweise erhältst du erst ein Gehalt ab dem Monat, nachdem du deinen 1000. Kunden abkassiert hast. Die Glühbirne über deiner Kasse leuchtet während deiner ganzen Schicht - 8 h lang - und es ist eine verdammt teure Lampe, die die zahlwilligen Kunden auf deine Kasse aufmerksam machen soll. Deswegen werden die Energiekosten, die deine Lampe verbraucht, auf dich umgelegt. Die Parkplätze vor dem Haus sind ja quasi ein besonderer Service für den Kunden und deswegen gleichzeitig ein Garant für deinen Arbeitsplatz. Also ist es doch nur fair, wenn die Kosten für die Parkplätze, für die eine monatliche Miete an die Gemeinde anfällt, von den Mitarbeitern (und ein Teil damit von dir) übernommen werden. Genauso verhält es sich mit dem Ladendetektiv, der ja auch gezahlt werden muß. Die Kosten (7500 Euro) werden für ein Jahr im voraus ausgerechnet und du mußt sie 14 Tage nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrages aufs Konto deines Arbeitgebers überwiesen haben. Alternativ bietet dein zukünftiger Arbeitgeber dir Ratenzahlung an.
Aber, so beruhigt dich der Filialleiter, das muß dich überhaupt nicht beunruhigen. Denn schließlich agiert man anders als andere Supermärkte. Andere Supermärkte blieben nämlich seit Jahren bei ihrem Stammpersonal, stellen nie neue junge engagierte Kassierer ein, sondern lassen sich lieber Lizenzkassierer aus USA und England kommen, da diese Lizenzen günstiger wären, als deutsche Kassierer. Ausserdem könne man sich bei diesen Supermärkten nicht persönlich involvieren, sondern müsse einfach nur am Fliessband kassieren. Und zudem ist man finanziell weitaus besser gestellt, denn statt wie in anderen Supermärkten mit einem lächerlich geringen Gehalt abgespeist zu werden, könne man direkt an der Kasse die Preisgestaltung der Produkte festlegen und damit sein eigenes Gehalt aufbessern. Ganz klar, dass müsstest du doch einsehen, dass du hier einen besseren Vertrag hast, unabhängiger und freier bist - und die Kosten hast du, wenn du gut kassierst, schon nach wenigen Tagen wieder rein.

Klingt verrückt, nicht wahr?
Kein Mensch, der nur ein bisschen Hirn im Kopf hat, würde solch einen Job annehmen.

Oder doch?

Es scheint, dass ausgerechnet bei dem Teil, der sich "die Intelligenz" oder "Deutschlands Dichter und Denker" nennt, hier manchmal doch das Hirn dazu fehlen würde.
Wie kann es sonst sein, dass ausgerechnet Mitglieder der schreibenden Zunft - Autoren - solch ein Angebot annehmen?

Die Argumente (A) der Gegenseite und ihre Demontage (D):

A: Selbst Goethe hat seinen Götz im Eigenverlag herausgebracht und damit selbst finanziert.
D: Das ist richtig und war 1773. Damals hatten wir auch noch die Monarchie mit dem Alten Fritz, die Reichen beschütteten sich mit Puder und Mottenpulver, anstatt sich zu waschen und Wissenschaftler stellten in einem kuriosen Experiment fest, dass auch Eunuchen Stromschläge spüren. Aber damals ist halt nicht heute.
Heute haben wir die Demokratie, Wasser und Seife und Gesetze gegen Menschenversuche. Und wir haben den Autorenvertrag von verdi und dem Börsenverein des deutschn Buchhandels, des Dachverbandes der Verlage, Buchhändler und Buchhandelsvertreter.

A: Ich sehe das Schreiben nur als Hobby und bilde mir nicht ein, damit Geld verdienen zu wollen.
D: Auch das ist richtig. Schreiben ist für viele Menschen ein Hobby. Aber in dem Moment, in dem ein Produkt entsteht, für das eine Person Geld bezahlt (Leser) und die andere Person Geld einnimmt (Verlag), hört das Hobby auf und die geschäftliche Seite fängt an. Und die heißt: Als ein Produktschaffender wird man am Gewinn beteiligt.

A: Das bisschen Geld kriegt man doch schnell wieder rein.
D: Genau das ist aber der Knackpunkt. Man muß es erst wieder hereinbekommen, anstatt vom ersten Exemplar an zu verdienen. Viele schaffen es eben NICHT, ihre Unkosten hereinzubekommen.

A: Ich habe nicht vor, professionell zu schreiben. Ich möchte einfach nur meinen Roman in den Händen halten.
D: Woher willst du das wissen? Ich habe bereits soviele Menschen kennengelernt, die erst viel später feststellten, dass sie eigentlich doch ganz gerne Profis wären. Doch dann ist es zur Umkehr meist zu spät.

A: Ich habe mich bewußt für einen Dienstleister entschieden, da ich da alles mitentscheiden kann und mich beim Lektorat nicht verbiegen muss.
D: Ich weiß, dass Autoren oftmals und gerne mitentscheiden möchten. Nur viele Dinge am Buch sind und bleiben Verlagssache.
Dazu gehören der Titel, das Cover, der Klappentext. Davon abgesehen, dass der Wunschtitel des Autors aus rechtlichen Gründen (Titelschutz) vielleicht gar nicht genommen werden dürfte, sind diese Teile in erster Linie Werbemittel und werden von Verlagen genau dazu genutzt.
Klar findet ein Autor den Titel "Für immer Du!" vielleicht extrem kitschig und das Coverbild (mit der hübschen Frau im Kleid und dem halbnackten Mann, der seine Arme um sie schlingt wie ein Tintenfisch seine Tentakel um ein Opfer) einfach nur gräuslig. Trotzdem erzielt dieses Plakative genau die richtige Wirkung. Angezogen wird die Hausfrau zwischen 25 und 45, die 1-2 Kinder im Kindergarten- und Schulalter und einen arbeitstätigen Mann hat. Und das solche Titel wie "Die Trolle" oder "Die Orks" oder "Die Elfen" nicht sonderlich innovativ klingen, wissen wir alle. Aber "Die Zwerge" waren äußerst erfolgreich - und jeder, der diese Titel sieht, weiß dass ihn da ein ähnlicher Roman oder Romanzyklus erwartet. Buch gekauft, Ziel erfüllt.
Und zum Lektorat: wenn ich sehe, an welchen Stellen Autoren manchmal "ihren persönlichen Stil" halten wollen - für mich wären das größtenteils einfach nur Stilfehler. Ein ordentliches Lektorat gehört halt dazu. Auch wenn der Autor da ab und an streichen und kürzen und neu schreiben muß.

A: Ich habe mich für einen Dienstleister entschieden, weil ich da mein Urheberrecht nicht abtreten muss.
D: Dumme Aussage, die zeigt, dass der Autor sich nie mit dem Urheberrecht beschäftigt hat. Das Urheberrecht kann nicht abgetreten werden. Abgetreten werden können nur die Verwertungsrechte, die Nutzungsrechte, beispielsweise das sogenannte Verlagsrecht.
Zitat:
Das Verlagsrecht im Sinne des deutschen § 8 Verlagsgesetzes (VerlG) ist das ausschließliche Recht, ein Werk der Literatur oder Tonkunst (das heißt Notenmaterial) zu vervielfältigen und zu verbreiten. Es ist ein Teilbereich der urheberrechtlichen Nutzungsrechte.
Quelle: Wikipedia

Das heißt, ein Verlag sichert sich damit das Recht, dieses Werk zu drucken und zu verkaufen - was ja im Sinne des Autors ist. Und "ausschließlich" deswegen, weil der Verlag ja seine Auflage verkaufen will und damit unterbinden will, dass in 2 Jahren dergleiche Roman bei der Konkurrenz auftaucht. Auch der Autor darf dann das Buch nicht vervielfältigen - denn das Recht dazu hat er abgetreten. Trotzdem ist und bleibt er der Urheber.
Wenn ein Autor schreibt, er hätte das Urheberrecht behalten, meint er in den meisten Fällen, er hat dem Verlag nicht das "große" Verlagsrecht, sondern das einfache Verlagsrecht eingeräumt - hat also die Möglichkeit, dieses Manuskript noch anderweitig zu veröffentlichen.
Das zeigt aber auch, daSs es solch ein Verlag, der nur das einfache Verlagsrecht wahrnimmt, vollkommen egal ist, ob das Manuskript noch anderweitig erhältlich sein könnte, denn - über die Zahlung des Zuschusses, der Bearbeitungsgebühr, dem Weitergeben der Vorbestellungen hinaus hat solch ein Verlag gar kein weiteres Interesse an dem Buch. Sein Geld hat er ja bereits.
Das, was von Zuschuss-Autoren als Vorteil gerühmt wird, ist damit also eigentlich ein Nachteil.

A: Ich habe vom Verlag ein Siegel bekommen und bin jetzt geprüfter Autor. Wer meine Texte jetzt kopiert und veröffentlicht, macht sich strafbar.
D: Ja, ich habe bei diesem Kommentar auch nur fragend die Stirn gerunzelt. Aber es gibt anscheinend tatsächlich DKZVs, die dem Autor ein schönes gerahmtes Zertifikat ausstellen.
Fakt ist jedoch: Texte, die eine gewisse Schöpfungshöhe haben, fallen automatisch unter den Urheberschutz. Dafür braucht es weder Siegel noch Zertifikat.
Fakt ist auch: Es gibt keine zertifizierten Autoren. Auch keinen staatlich anerkannten Autor oder geprüften Autor (höchstens leidgeprüft) oder gelernter Autor, egal mit was für tollen Abschlüssen diverse Autorenakademien und -schulen auch locken mögen. Autor wird man nicht durchs Schulbankdrücken. Autor wird man durchs schreiben.

A: Besser selbstfinanzierte VÖ als überhaupt keine Chance.
D: Ja, das ist das einzige Argument, welches nicht komplett entkräftbar ist.
Es ist bekannt, dass es mehr Schreibwillige gibt, als Programmplätze bei den seriösen Verlagen. Es ist bekannt, dass Publikumsverlage verlegen, was sich verkauft - das ist nicht unbedingt dasselbe, wie "künstlerisch wertvoll". Und es ist bekannt, dass viele Verlage nicht alle Manuskripte lesen können.
Ist eine selbstfinanzierte VÖ dann vielleicht doch eine Chance?
Teilweise ja, teilweise nein.

Selbstfinanzierung als Chance:
Bei manchen Themen kommt man um selbstfinanzierte VÖs nicht herum.
Lyrik verkauft sich denkbar schlecht. Autobiographien unbekannter Personen ebenso - diese Bücher würden sonst wohl nie das Licht der Welt erblicken.
Ein anderer Punkt sind Regionalgeschichten, die vielleicht max. die 500 Einwohner des Ortes, wo die Geschichten spielen, interessieren.
Dann sind da noch die Dissertationen und Fachbücher zu nennen.
Zudem gibt es so einige Autoren, denen es wirklich ausschließlich darum geht, ihr eigenes Buch in der Taschen zu haben.
Und ja - es hat tatsächlich den einen oder anderen gegeben, der einen BoD-Bestseller hingelegt hat und dann von den Publikumsverlagen mit Kusshand genommen wurde. Darauf bauen sollte man aber nicht - die durchschnittliche Verkaufsrate bei BoD liegt bei 15 Verkäufe pro Jahr und Titel (Quelle: BoD), so dass man davon ausgehen kann, dass die Masse der Autoren nicht einmal die Grundgebühr und die monatlichen Datenhaltungsgebühren wieder reinbekommen.


Selbstfinanzierung als Risiko:
So sehr es einem reizt, endlich das eigene Buch in den Händen zu halten - sobald man ernsthaft als Autor arbeiten möchte, sollte man von Selbstfinanzierung Abstand nehmen.
- Autoren mit selbstfinanzierten VÖs werden von echten Verlagen teilweise nur mit der Kneifzange angefasst. Und jene, die danach bei einem seriösen Verlag untergekommen sind, sind sicher nicht untergekommen, weil sie etwas selbstbezahltes herausgebracht haben.
- Für die Mitgliedschaft im Verband deutscher Schriftsteller ist mindestens eine nicht selbstfinanzierte, eigenständige VÖ (also ein Roman) bzw. mindestens drei nicht selbstfinanzierte VÖs in Zeitungen, Zeitschriften, Anthos die Voraussetzung. Schlechte Karten für Bezahlautoren.
- Die Bewerbung auf ein Literaturstipendium erfolgt (abhängig von dem Ausschreibenden) mit verschiedenen Bewerbungsmaterial. Bei manchem muß ein bereits existierender Roman vorgelegt werden, bei anderen reicht ein existierender Autorenvertrag. In fast jeden Fall gibt es aber diesen Passus: "Autoren von selbstfinanzierten VÖs sind von der Vergabe ausgeschlossen".
Wer jetzt denkt, das wäre ein seltener Fall, irrt. Nicht wenige Autoren schaffen sich über ein Stipendium ein Jahr Schreib- und Recherchezeit für den nächsten Roman. Ich selbst wurde letztens von einer Autorin gefragt, ob ich ihr Manuskript bei der Beurteilung vorziehen könne, denn sie würde sich gerne bei einem Stipendium bewerben und bräuchte dafür einen unterschriebene Autorenvertrag.
Dazu zählt auch der kulturelle Posten des Stadtschreibers, der mit einer kostenlosen Wohnung und einer monatlichen Zuwendung verknüpft ist. Städte wie Mainz, Halle, Dresden, Erfurt sind nur wenige von denen, die jedes Jahr einen neuen Autor für diese Aufgabe suchen.
- Die Bewerbung um einen Literaturpreis ist ebenfalls meist an die Bedingung geknüpft, dass das Werk nicht selbstfinanziert ist.
All dies sind Risiken, die den meisten Autoren so gar nicht bewußt sind.
Daneben ist natürlich noch das recht abschätzbare Risiko des Geldverlustes (wer realistisch denkt, plant 100% verlust ein und freut sich dann, wenns nur 90 % sind) und das Risiko, seine Geschichte im goldenen Sarg beerdigt zu haben.


Fazit: Viel Dunkel, wenig Licht.

Doch so sehr man auch immer versucht, über die Risiken aufzuklären, irgendwann wird man müde. Viele Bezahl-Autoren glauben tatsächlich, man neide ihn die Veröffentlichung. Am Ende ist es die Entscheidung jedes Einzelnen für oder gegen eine selbstfinanzierte VÖ.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 19:30 
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Torsten, ich kenne da eine WKW Gruppe, wo dieser Beitrag einschlägt wie eine Bombe. ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 19:44 
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Ich hab das Thema Eigenverlag selber durch. Ich weiß, wie hart es ist, wenn man Einzelkämpfer ist. Ich hab meine Lektion auf die harte Tour lernen müssen. Und ich mußte noch an den Ruch der Eigenverlagsmasche kauen, als ich schon lange Anthologien verlegt habe. Es gab viele Autoren, die erst skeptisch waren und denen ich mich erst beweisen musste.

Aber diese Leute in der bewußten WKW-Gruppe sind jetzt noch so von ihren Weg überzeugt, dass sie auf niemanden hören werden und jedem, der sie auf die Risiken hinweisen will, erstmal verteufeln. Ich glaube, die denken wirklich, dass man auf ihren "Erfolg" neidisch ist :?

Und auf den Kindergarten habe ich kein Bock.
Ich teile meine Erfahrungen gerne. Ich gebe mein Wissen gerne weiter. Und ich bin ganz bestimmt der letzte, der seine Kenntnisse eifersüchtig hütet.
Aber ich merke, wenn mein Wissen und meine Erfahrungen nicht gewollt sind. Und dann warne ich einmal und vielleicht auch zweimal. Und dann halt ich meine Klappe und setze mich auf meine Finger, auch wenn es mir schwerfällt und auch wenn es mich juckt.

Ich werd halt langsam müde.
Nach Oktober letzten Jahr bin ich etwas ruhiger geworden ;)
Man wird halt auch nicht jünger und die Streitlust schwindet ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 21:04 
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Ich war heute auch drauf und dran die Flügel zu streichen, aber nachdem die Ziege behauptet hat, ich hätte für mein erstes Buch bezahlt, da konnte ich nicht anders. Die hat sie ja nicht alle.


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 21:22 
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Ich glaube wirklich, bei manchen setzt das bewußte Nachdenken aus, wenn der Brief mit der "Zusage" kommt. Und erst viel, viel - richtig viel - später kommt dann die Erkenntnis.

Vor vier Jahren habe ich einen kennengelernt, der bei den "Frankfurtern" untergekommen war.
Ich hab ihn dann mal gefragt: "Was hast du bezahlt und was hast du gekriegt?"
Er: "1000 Stück für 20.000 Euro"
Ich - fix zu amazon und nach dem Buch gesucht - zurück: "Das funktiert nicht!"
Er: "Wie meinst du das - das funktioniert nicht!"
Ich: "Selbst wenn du alle verkaufst, machst du minus!"
Er: "Wieso?"
Ich: "Weil der Buchpreis 19,95 ist"
Er: "Sind doch meine Bücher, kann ich doch mehr verlangen"
Ich: "Wir sind hier in Deutschland - hier gibt es eine Buchpreisbindung! Keiner darf neue Bücher unter oder über dem festgeschriebenen Preis verkaufen."
Er: "Du bist doch nur neidisch!"
Ich: "Worauf?"
Er: "Na, dass ich in einem echten Verlag untergekommen bin, während du einen eigenen Verlag gründen musstest."
Ich: :shock:

Zwei Jahre später - ohne irgendeine Vorwarnung - kam eine PN von denselben Typ. Drin stand nur ein einziger Satz.
"Du hattest Recht!"

Scheisse, verdammt - ich hasse es, wenn ich bei sowas Recht habe. Ich will bei sowas auch gar nicht Recht haben. Dummerweise habe ich es aber meistens :roll:

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 21:24 
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Jetzt mal zu deinen Text:

Habe ihn gelsen. Er war super. Es war kein reiner Sachtext, dein Humor ist mit eingeflossen. Ich denke er wird für jeden, der mit dem Gedanken spielt ein Buch selber zu verlegen, ein wichtiger Antrieb zu Besinnung sein :D.
Im ernst, fand den Beitrag seeehr gut und man sollte sich auch immer fragen:
Wenn ein Verlag mein Wer nicht nehmen will, wie stehen denn dann wohl die Chancen dafür, dass es erfolgreich wird?

Habe ihn auch direkt in unser Verzeichnis aufgenommen:
post319.html#p319


Cajux

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 4. Dez 2010, 14:45 
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Also, eine nette Geschichte. In der WKW-Gruppe wo es um diesen Verlag ging, der auf seiner Seite stehen hat: Autor und Verlag teilen sich Gewinn/Verlust gleichermaßen (wobei der Verlager das grammatikalisch nicht so einwandfrei ausgedrückt hat wie ich jetzt), da haben sich ein paar Leutchen reingehängt, die benehmen sich unter aller Sau. Eine davon ist eine Autorin, die beim Fireling-Verlag ein 48 Seiten-Heftchen veröffentlicht hat, zum Thema Kindesmissbrauch, wo ich mir schon sage, kann man einem solches Thema in 48 Seiten gerecht werden?
Sie behauptet, ihr Buch wäre schon 30000 Mal verkauft worden, weil ich schrieb, dass die meisten Autoren dort, ihr Geld nie wieder reinbekommen würden.
Jedenfalls hat sie viele gute Bewertungen bei Amazon, nur sind die mit Sicherheit von guten Freunden, was man daran sieht, dass die Schreiber nur dieses eine Buch bewertet haben. Es gibt auch 2 negative, die eher meine Einschätzung wiedergeben.
Da die Dame aber darauf bestand, dass sie 30000 Bücher verkauft hätte, dachte ich, frag doch mal bei dem Verlag nach, wozu bist du Redakteurin einer Zeitung? Also ruf ich da an und frage, wie hoch die Auflagen so im Durchschnitt sind. Eine Auflage 500-1000 Bücher. Ich: Immer? Sie: ja. Ich: Aha.
Verkauft wurden bisher 2 Auflagen des Buches.
Ich hab gedacht, fragste gleich mal, was das so kosten würde bei denen. Das könnte man mir nicht sagen, aber sie könnten mir Infomaterial zuschicken.
Ok, sage ich und geb ihnen meine Adresse. Infomaterial kam heute. Ein kleineres Büchlein und ein größeres. Das Größere ein Katalog der Bücher des Verlages. Das Kleine eine Lobeshymne auf den Verlag. Was ich aber noch immer nicht weiß, was kostet der Spaß nun?


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 4. Dez 2010, 16:46 
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Interessanter Beitrag und ein weiterer Beleg für diese Masche und vor allem auch für die Naivität der Autoren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 14. Dez 2010, 20:45 
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Auch von mir ein Dankeschön für den tollen Beitrag treogen.
Mich bestärkt das ganze in meinem Plan für einen eigenen Verlag. Obwohl ich es erschreckend finde, dass eine der häufigsten Fragen, die mir bisher gestellt wurden, lautete, ob ich die Veröffentlichungen von den Autoren finanzieren lassen will. Irgendwie erschreckend, dass pauschal erst einmal davon ausgegangen wird.

Allerdings gibt es auch andere Ansichten zu dem Thema. Eine Freundin hat zwei Bücher über solche Verlage veröffentlicht. Sie meinte, dass hätte sie so viel wie einen Kleinwagen gekostet, doch es war jeden Euro wert. Sie ist stolz auf ihre zwei Babies, die es sonst nie gegeben hätte, und hat sich damit einen Traum verwirklicht. Aber sie hatte auch nie die Illusion, ihre Kosten zu decken oder gar Geld zu verdienen.

Trotzdem, ein spannendes Thema. Aber auch traurig. Irgendwie rückt das eigentliche Thema (gute Bücher zu veröffentlichen) in der Diskussion leider oft in den Hintergrund.


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 Betreff des Beitrags: Re: Warum keine selbstfinanzierte VÖ?
BeitragVerfasst: 14. Dez 2010, 21:29 
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Also, wenn ich dann wirklich unbedingt veröffentlichen muss, dann würde ich nie einen DKZ wählen. Dann tausend mal lieber BOD.


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