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 Betreff des Beitrags: Der Wunschzettel
BeitragVerfasst: 23. Dez 2010, 12:29 
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Laie
Laie

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Ich bin dann mal so frei, obwohl ich mich im Vorfeld nicht als Teilnehmer angemeldet habe. Mit ist gerade was aus der Feder geflossen. Nicht ernst zu nehmen, aber immerhin... :roll:

Der Wunschzettel oder
Der Tag vor Weihnachten

Jetzt haben wir die Bescherung!
Da stehe ich nun, wie ein absoluter Volltrottel, im Kaufhaus. Wühle meine Taschen durch, obwohl ich natürlich längst weiß, dass das nichts bringt.
Dieser dumme Wunschzettel ist einfach weg.
Tja, da höre ich euch schon reden: Depp, weißt doch selbst, was du dir wünschst. Scheiß auf den Zettel.
Ja, und das ist das Problem. Ist ja nicht mein Wunschzettel. Sondern der Zettel, auf dem mein Mann aufgeschrieben hat, was er meint, was sich unsere Lieben so wünschen könnten. Nicht, dass er auch nur wirklich den blassesten Schimmer hätte.
Heute morgen drückt er mir den Papierfetzen in die Hand. Da sind sogar frische Kaffee-Flecken drauf. Schnell ein paar Dinge hingekrakelt. Damit hat er seinen Teil erfüllt.
"Kannst ja mal schauen, ob du nachher dazu kommst..."
Nee, ist klar. Heut ist ja erst der 23. Dezember. Und garantiert hab ich nichts anderes vor. Außer natürlich zum Zahnarzt zu rennen. Man braucht ja diesen dummen Stempel nur einmal pro Jahr. Warum nicht einen Tag vor Weihnachten holen? Schließlich war das restliche Jahr mit Terminen so voll. Das wäre überhaupt nicht gegangen. Auf gar keinen Fall.
Immerhin hat mir die Torschlusspanik-Aktion mit dem Zahnarzttermin ein kleines Erfolgserlebnis verschafft. Ich musste nämlich – tatatata!!! - keine zehn Euro zahlen. Weil er nichts gefunden hat. Vielleicht wollte er auch nichts finden, weil er selbst noch nicht alle Geschenke zusammen hat. Aber mir egal – ich hab mich gefreut.
Aber kommen wir zurück zum eigentlichen Problem.
Der Wunschzettel. Der, der jetzt weg ist.
War ziemlich dumm, da nicht wenigstens mal raufzusehen, bevor ich ihn so sicher versteckt habe, dass ich ihn nie wiederfinden werde.
Also welche Möglichkeiten habe ich?
Ich könnte meinen Mann anrufen und fragen. Ich weiß, das ist so einfach, dass es fast schon brilliant ist. Aber ich hör ihn schon rangehen. Gehetzte Stimme, die im Unterton sagt: Na du musst ja Zeit haben, wenn du hier rumtelefonieren kannst. Bin ich der einzige, der einen Tag vor Weihnachten noch schuften muss?
Und dann sagt er in Wirklichkeit und äußerst unglaubwürdig geflüstert: "Ist es wichtig? Bin gerade im Meeting."
Nee, nee, ist überhaupt nicht wichtig. Ich mach das schon.
Gut. Weitere Optionen? Wie wäre es damit: Ich kauf einfach irgendwas. Dann gab es den Ramsch halt nicht, von dem mein Mann meint, die anderen würden sich das garantiert wünschen. Wenn er blind raten kann, kann ich das doch auch.
Also, wo fange ich an? Schwiegermama. Mmh. Ein Buch? Hat die letzten drei Jahre doch auch geklappt. Sie hat sich gefreut. Glaube ich.
Am besten einen schönen Schenkelgrabscher. Nach spätestens vier Kurzzusammenfassungen hab ich keine Lust mehr. Das ist ja schlimmer, als Parfüm kaufen. Riecht und liest sich irgendwann alles gleich. Kurzer Blick auf die Uhr. Wenn ich bis 16 Uhr wieder zu Hause bin, kann ich schnell noch bei Amazon bestellen. Als Prime-Mitglied ist das morgen da. Reicht doch. Und dann kaufe ich ein Buch, das mindestens vier Sterne von den Lesern gekriegt hat.
So, das war doch einfach.
Also wer noch? Mein Schwiegerpapa. Ganz schwierig!
Ich lasse mal die letzten Geschenke-Jahre Revue passieren. Und erinnere mich an Sätze nach dem Auspacken wie:
"Was soll das denn sein?" oder
"Aha, und das war wirklich für mich? Oder habt ihr das verwechselt?" oder einfach nur
"Mmmh,....."
Also ist es im Grunde völlig egal, weil richtig wird es sowieso nicht sein. Das macht die Auswahl doch eigentlich einfach, oder? Also vielleicht ein Gutschein? Dann kann er selbst was aussuchen?
Aber auch da regt sich eine Erinnerung.
Das hatten wir doch schon mal. Und das Ergebnis war irgendwas in der Richtung: "Na toll, jetzt muss ich da hingehen und mir was aussuchen. Oder wie jetzt?"
Eine Flasche Wein, das ist es. Da kann man doch einfach nichts falsch machen. Also ab in die Weinabteilung. Ich schildere mein Anliegen und bitte drum, dass der Schnösel (Echt, warum zieht man sich wie ein Lackaffe an, nur weil man Wein verkaufen will? Glaubt der, das überzeugt mich jetzt?) mir was vorschlägt.
Ich sehe wohl schmuddeliger aus, als mir bewusst ist, denn er macht mir den – wie ich finde sehr unverschämten – Vorschlag, einen 2009er Dornfelder für 3,99 Euro zu verschenken. Plus 1,50 Euro für die Plastikverpackung mit den stilisierten grünen Weihnachtsmännern drauf.
Ich überlege ernsthaft, ob das ein Scherz sein soll, aber den Aufwand hätte ich mir sparen können. Er hat eine erwartungsvolle Miene aufgesetzt. Da ist nichts falsches oder hinterlistiges zu sehen.
"Kann ich die Geschenktüte auch für ´nen Euro haben? Mir wird das sonst zu teuer", höre ich mich sagen.
"Das geht leider nicht", antwortet er nur.
Jetzt bin ich so dermaßen beleidigt, weil er nicht mal auf die Idee gekommen ist, ich hätte nur einen Scherz gemacht. Statt dessen guckt er ein wenig betroffen auf mich herab.
Ich verschwinde ohne einen Plan B aus der Weinabteilung.
Vielleicht habe ich mehr Glück in der Spielzeug-Ecke. Die Nichten und Neffen sollen ja auch beglückt werden. Das kann doch nun wirklich nicht so schwer sein.
Doch die Materialschlacht, die sich mir bietet, als ich mit der Rolltreppe in der richtigen Etage ankomme, übertrifft alle meine Erwartungen. Ach deshalb ist es im Rest des Kaufhauses gar nicht so voll, wie ich das erwartet hatte.
Die sind alle hier. Aber wirklich ALLE!
Verzweifelt spreche ich die erste Frau an, die mir vollgepackt und sichtlich erleichtert von der Kasse entgegen kommt. "Entschuldigung, kann ich Ihnen Ihre Einkäufe vielleicht so direkt abkaufen? Ich lege auch noch 20 Euro drauf."
Sie lacht und geht weiter.
Denkt wohl das war ein Scherz. Ich überlege ernsthaft, ob ich einfach ein paar Sachen vom nächstgelegenen Krabbeltisch fische und abhaue. Vielleicht werde ich erwischt und darf für zwei Tage ins Gefängnis? Das wäre doch was!
"Darf ich mal?"
Da schubst mich die nächste vollgepackte Mama in die Realität zurück.
Ich beschließe, zu Hause einfach zehn Kilo Kekse zu backen und die zu verschenken, schön in Weihnachtsschachteln verpackt. Das ist persönlich, individuell und naja, vielleicht nicht gerade spektakulär, aber was soll´s.
Wie leicht ich mich plötzlich fühle, weil ich eine Lösung gefunden habe. Als ich versuche, mit dem Auto, die kaufhauseigene Tiefgarage zu verlassen, bekomme ich dennoch diverse Wutanfälle. Aber das liegt nur daran, dass ich Angst habe, es in 15 Minuten nicht vom Parkautomaten bis zur Schranke zu schaffen. So langsam und trödelig benimmt sich nur der Rest der Autofahrer-Welt.
Als ich wieder das Tageslicht zu sehen bekomme, wird mir auch klar, woran das liegt. Es hat wieder angefangen zu schneien. Und zwar richtig.
Ihr wolltet weiße Weihnachten! brülle ich die Autofahrer vor mir an. Aber das tut ja keinem weh, denn die ist Scheibe oben.
Ich brauche unglaubliche 90 Minuten bis nach Hause. Für sage und schreibe acht Kilometer. Das liegt natürlich nicht nur am absoluten Schnee-Chaos, wie die Nachrichtensprecher im Radio das nennen. Ich neige ja eher dazu, das ganze einfach "ein Winter wie jeder andere" zu nennen, aber mich fragt ja keiner.
Nein es liegt vor allem an dem LKW, der im absoluten Halteverbot auf der Hauptverkehrsstraße die einzige wirklich geräumte Fahrspur blockiert.
Zu Hause angekommen, mache ich mich widerwillig an die Arbeit. Kekse backen. Was für eine blöde Idee, wenn man das dann wirklich machen muss. Aber leider mein einziger Ausweg.
Doch was stelle ich fest? Kein Mehl im Schrank. Und auch sonst nirgendwo.
Ich habe so die Schnauze voll, dass ich mich erst mal auf die Couch werfe. Da bleibe ich auch liegen, bis ich schön einschlummere. Und träume von riesigen Geschenkbergen. Die werden größer und größer.
Bis ich vom Klacken der Wohnungstür aufwache. Zwei weitere Stunden sind vergangen und mein Mann ist gerade von der Arbeit gekommen.
Selbstredend, dass er bei meinem Anblick, wie ich auf der Couch gemütlich döse, kurz etwas gernervt dreinschaut.
"Oh Schatz, ruhst du dich schön aus? Also mein Tag war echt beschissen. Ein Meeting nach dem anderen..."
Aber nicht mit mir. Nicht heute. Ich bin ja nicht dämlich. Wenn ich eins in den Jahren unserer Beziehung gelernt habe, dann das: Immer gleich zurückschießen. Bevor er merkt, wie ihm geschieht.
"Oh Mann, Schatz. Das ist nichts zu dem Tag, den ich hatte. Das kannst du dir nicht vorstellen. Stundenlang beim Zahnarzt gewartet. Die wollten alle noch einen Stempel. Das Wartezimmer voll bis obenhin. Ich hatte nicht mal einen Sitzplatz. Und hat echt zehn Euro gekostet, weil der ein Mini-Löchlein gefunden hat. Willste mal gucken? Nein? Na gut.
Und in der Stadt war kein Durchkommen, Parkhäuser dicht, Schnee-Chaos. Da bin ich irgendwann wieder umgedreht. Hab vier Stunden Schlitterpartie hinter mir. Bin vor fünf Minuten heimgekommen und total erschlagen."
Die Taktik geht auf. Sieg auf ganzer Linie. Er antwortet:
"Naja, ist ja nicht schlimm. Dann fahr ich eben nochmal los, in den Einkaufspark. Da sind die Chancen sicher besser. Ich brauch nur den Wunschzettel, ich hab absolut keinen Schimmer mehr, was ich aufgeschrieben habe."
Na Mahlzeit. Wie freu ich mich auf morgen.


Zuletzt geändert von Forgotten am 23. Dez 2010, 13:03, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Wunschzettel
BeitragVerfasst: 23. Dez 2010, 12:37 
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Das freut uns, ich finde es super, dass du uns auch was gepostet hast. Morgen werden wir dann alle Projekte zusammen in einer Umfrage veröffentlichen.
Danke, dass du unser Forum um ein weiteres Werk bereichert hast;)


Dein Cajux

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